LILA WOLKEN. Mar­te­ria.

Wür­de man einem Arzt ein Kind vor­set­zen, des­sen bis­he­ri­gen Lebens­weg, des­sen Krank­heits­his­to­rie und des­sen Lebens­um­stän­de er nicht kennt, wür­den nahe­zu alle Sym­pto­me einer chro­ni­schen Über­mü­dung auf die Dia­gno­se Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom/AD(H)S her­aus­lau­fen. Eine typi­sche und ver­brei­te­te medi­ka­men­tö­se Reak­ti­on gegen die­se Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit wären die bei­den Medi­ka­men­te Rita­lin oder Adder­all. Rita­lin, ein Methyl­phe­ni­dat und Adder­all, ein Amphet­amin, sind zwei der stärks­ten Medi­ka­tio­nen zur Unter­drü­ckung von Schlaf.[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“32”][vc_column_text]Hallo ihr, die ihr die­sen Blog lest. Ich freue mich, dass ihr hier seid. Nicht pri­mär, weil ihr damit den Weg zu mir ali­as ani.sleeps und/oder zu mei­nem Her­zens­the­ma gefun­den habt. Son­dern weil das zeigt, dass ihr zu den­je­ni­gen gehört, die sich aktiv mit ihrer Gesund­heit befas­sen. Dazu muss man erst­mal Zeit und Ner­ven inves­tie­ren, und das zeugt schon von ziem­li­chem Enga­ge­ment. Ich hof­fe, dass das die meis­ten von euch aus Pro­phy­la­xe tun und nicht aus einem aku­ten Pro­blem her­aus.

Das oben genann­te dras­ti­sche Bei­spiel ist lei­der eines dafür, wie erforscht, ver­stan­den und ver­brei­tet das The­ma Schlaf und sei­ne Aus­wir­kun­gen bei Man­gel bzw. sein Nut­zen bei rich­ti­ger Anwen­dung in der Gesell­schaft und auch in der Medi­zin ist. Schlaf wird stief­müt­ter­lich behan­delt und erfährt erst seit kur­zem einen klei­nen Auf­schwung. Lei­der erst seit­dem sich her­aus­ge­stellt hat, dass man damit mitt­ler­wei­le rich­tig viel Geld machen kann. Genug der Kri­tik am Sys­tem.

Unse­re Auf­merk­sam­keit lei­det bei chro­ni­schem Schlaf­man­gel, und das nicht nur im Kin­des­al­ter – sie ist eines der ers­ten Warn­si­gna­le, die wir selbst und ohne wei­te­re Hilfs­mit­tel an uns beob­ach­ten kön­nen. Sind wir unaus­ge­schla­fen, mer­ken wir das meist als ers­tes an unse­rer Leis­tungs­fä­hig­keit am Arbeits­platz. Gar nicht so schlimm, denkt sich womög­lich der gemei­ne Büro­hengst, es gibt ja Kaf­fee. Eine Stu­die hat aller­dings ein­drucks­voll gezeigt: Schon nach zehn Tagen mit nur sechs Stun­den Schlaf pro Nacht ist die Reak­ti­ons­ra­te und ‑geschwin­dig­keit die­ser Test­grup­pe auf dem glei­chen Level wie die der Test­grup­pe mit einer ein­zi­gen Nacht OHNE Schlaf. Alles, was die Reak­ti­ons­ra­te unter 100% drückt, nennt sich Sekun­den­schlaf. Die Test­per­so­nen haben ein­fach nicht mehr auf das zu bestä­ti­gen­de Signal reagiert. Der Büro­hengst hat wohl maxi­mal einen Rüf­fel des Chefs zu befürch­ten, wür­de er mal kurz vor der Erstel­lung der Power­Point-Foli­en ein­ni­cken. Mehr als einem LKW-Fah­rer, Not­arzt oder Maschi­nen­füh­rer ging das lei­der bereits anders.[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“32”][vc_column_text]Chronischer Schlaf­man­gel kann noch so viel mehr bewir­ken, was im ers­ten Moment mit vie­lem ande­ren in Ver­bin­dung gebracht wird oder eben kaum erklär­bar scheint.

1. Unser Hor­mon­sys­tem braucht sei­nen Schlaf, um ihn als Haupt­zeit­ge­ber zu nut­zen. Wie in so vie­lem in der Bio­lo­gie funk­tio­nie­ren auch Hor­mo­ne größ­ten­teils auf Gleich­ge­wich­ten basie­rend oder als Gegen­spie­ler. Tes­to­ste­ron bei­spiels­wei­se ist das wohl bekann­tes­te Sexu­al­hor­mon, wel­ches in Män­nern wie in Frau­en exis­tent ist und wirkt. Es ist unter Ande­rem zustän­dig im Bereich der Kno­chen­dich­te, des Sexu­al­triebs, der Kon­zen­tra­ti­on und des Mus­kel­auf­baus. Schon nach eini­gen Näch­ten mit einer Schlaf­dau­er unter­halb des Bedürf­nis­ses zeigt sich ein nen­nens­wer­ter Abfall des Tes­to­ste­ron­le­vels. Neben all­ge­mei­nen gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen in eben genann­ten Fel­dern kann sich dies auch auf die Zeu­gungs­fä­hig­keit des Men­schen aus­wir­ken, bei Män­nern wie bei Frau­en. Lep­tin und Ghre­lin als zwei wei­te­re Bei­spie­le signa­li­sie­ren unse­rem Kör­per Sät­ti­gung und Hun­ger. Deren Kon­zen­tra­ti­on wird bei Schlaf­man­gel gestört – wir erle­ben mehr Hun­ger- und weni­ger Sät­ti­gungs­ge­fühl, was bei der Beein­flus­sung eines Diät­zu­stan­des nicht för­der­lich ist. Übri­gens ist es bewie­sen, dass Men­schen, wel­che unaus­ge­schla­fen eine Diät durch­füh­ren, zwar fak­tisch an Gewicht ver­lie­ren, aller­dings durch den Abbau von Mus­ku­la­tur, nicht von Fett.

2. Unser Immun­sys­tem braucht sei­nen Schlaf, um gegen Infek­tio­nen vor­zu­ge­hen. Es hat sich zum Bei­spiel her­aus­ge­stellt, dass Impf­stof­fe bei man­gel­haft Schla­fen­den eine gerin­ge­re Wir­kung zei­gen als bei genü­gend Schla­fen­den. Wäh­rend unse­res Schlafs wird immer wie­der ein Teil unse­res zen­tra­len Ner­ven­sys­tems, der soge­nann­te Sym­pa­thi­kus eben­falls „ein­ge­schlä­fert“, sodass er nicht mit Stres­so­ren einen poten­ti­el­len Gefah­ren­zu­stand signa­li­siert. Die Fol­ge wären per­ma­nent hohe Cor­tisol­wer­te. Cor­ti­sol, bekannt als „Stress­hor­mon“, wirkt ver­stärkt auf unser kar­dio­vasku­lä­res, also unser Herz-Kreis­lauf-Sys­tem. Ste­hen Blut­ge­fä­ße unter per­ma­nen­tem Stress durch hohen Blut­druck, hohe Puls­fre­quenz, hohe Ent­zün­dungs­mar­ker, wer­den deren Wän­de immer und immer mehr geschä­digt. Der schwächs­te Punkt und damit der aus­schlag­ge­ben­de, ist der, dass eine Repa­ra­tur die­ser Gefäß­wän­de fast aus­schließ­lich im Schlaf statt­fin­det. Fällt sie weg, kommt es zu kar­dio­vasku­lä­ren Ereig­nis­sen. An zwei Tagen im Jahr sind die­se kar­dio­vasku­lä­ren Ereig­nis­se auf einem bestimm­ten Teil der Erde übri­gens mar­kant hoch/niedrig im Ver­gleich zu allen ande­ren Tagen des Jah­res: Die höchs­ten und nied­rigs­ten Zah­len an Herz­in­fark­ten und Auto­un­fäl­len wer­den an den Tagen nach und vor der Zeit­um­stel­lung gezählt. Das Fass der durch chro­ni­sche Müdig­keit Geschä­dig­ten läuft in einer ein­zi­gen Nacht über. Denkt mal drü­ber nach.

Info zum Autor:

Hi, ich bin Anika Donie! Als Ath­le­tin, Ange­stell­te und Selbst­stän­di­ge mit einer Trai­nings­wo­che von 12 Stun­den und Arbeits­wo­che von 60 Stun­den gilt es für mich, phy­sisch und men­tal gesund­heit­lich alles Erdenk­li­che für mich und mei­nen Kör­per zu tun. In einer Zeit, die von frei­er Zeit- und Auf­ga­ben­ein­tei­lung, aber auch von Burn-Outs und Erkran­kun­gen durch Stres­so­ren geprägt ist, kam ich auf­grund eige­ner kör­per­li­cher Über­las­tung auf Schlaf wie die Jung­frau zum Kind. Ursprüng­lich und immer noch in der Wirt­schafts­in­for­ma­tik im Per­so­nal­be­reich tätig, mache ich es mir heu­te zur Auf­ga­be, über den Nut­zen von einem unse­rer natür­lichs­ten Rege­ne­ra­ti­ons­me­cha­nis­men auf­zu­klä­ren – Schlaf.

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